Haus kaufen als Ausländer: Alle Informationen & Tipps
In Deutschland kann grundsätzlich jeder eine Immobilie kaufen, unabhängig von der Staatsbürgerschaft. Nicht-EU-Bürger benötigen jedoch einen langfristigen Aufenthaltstitel für Formalitäten und die Nutzung der Immobilie.

Das Wichtigste in Kürze:
- In Deutschland kann prinzipiell jeder eine Immobilie kaufen, egal ob mit oder ohne deutsche Staatsbürgerschaft.
- Für Formalitäten wie die Vertragsunterzeichnung und eine Nutzung einer Immobilie in Deutschland ist für Nicht-EU-Bürger ein langfristiger Aufenthaltstitel notwendig.
- Für die Finanzierung eines Hauses ist neben einem sicheren Einkommen ein Eigenkapitalanteil von mindestens 20 % zu empfehlen.
Der deutsche Immobilienmarkt bietet seit langer Zeit eine hohe Wertstabilität und attraktive Kaufbedingungen in aufstrebenden Regionen. Sicherheit im Alter, Sicherheit vor Mietsteigerungen und individueller Gestaltungsspielraum – aus all diesen Gründen stellt der Kauf einer Immobilie für viele ein wichtiges Ziel im Leben dar. Obwohl 15,2 % der in Deutschland lebenden Menschen keine deutsche Staatsbürgerschaft haben, ist der Immobilienkauf trotzdem in den meisten Fällen kein Problem. Hier liest Du, wie Du auch ohne deutschen Pass eine Immobilie erwerben kannst, was Du beim Abschluss einer Baufinanzierung beachten solltest und wie der Kaufprozess einer Immobilie in Deutschland abläuft.
Kann man als Ausländer in Deutschland eine Immobilie kaufen?
In Deutschland kann prinzipiell jeder eine Immobilie kaufen, egal ob mit oder ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Für EU-Bürger ist der Immobilienkauf in Deutschland unkompliziert. Mit dem EU-Pass können EU-Bürger nach Deutschland ohne Visum einreisen und sich unbegrenzt lange in Deutschland aufhalten. Während EU-Bürger keine weiteren Voraussetzungen erfüllen müssen, gibt es für Nicht-EU-Bürger weitere Anforderungen. Diese benötigen, um die Immobilie nutzen zu können und die Formalitäten des Immobilienkaufs zu erledigen, ein Visum oder einen anderen langfristigen Aufenthaltstitel. Zwar kannst Du auch ohne Visum oder Aufenthaltstitel eine Immobilie erwerben, jedoch dürftest Du nicht nach Deutschland einreisen und müsstest die Formalitäten des Immobilienkaufs durch einen Vertreter durchführen lassen. Allein durch den Erwerb einer Immobilie erhält ein Bürger aus einem Drittstaat keinen längerfristigen Aufenthaltstitel.
Baufinanzierung als Ausländer: Welche Besonderheiten gibt es?
Die größte Hürde beim Immobilienkauf als Ausländer ist die Baufinanzierung. Für EU-Bürger, die in Deutschland arbeiten, gelten dieselben Anforderungen wie für deutsche Kreditnehmer. Hierzu gehören ein festes Einkommen, ein Bonitätsnachweis und ausreichend Eigenkapital. Es gibt Kredite für den Immobilienkauf, bei denen Du als Käufer nur die Kaufnebenkosten aus Eigenmitteln begleichen musst und die Bank Dir für den Kaufpreis der Immobilie ein Darlehen gibt. Teilweise sind auch Vollfinanzierungen möglich, hier übernimmt die kreditgebende Bank auch die Kaufnebenkosten. Diese Vollfinanzierungen sind jedoch an bestimmte Bedingungen wie ein hohes monatliches Einkommen oder andere Sicherheiten geknüpft.
An Nicht-EU-Bürger haben Banken höhere Anforderungen:
- Niederlassungserlaubnis: Mit diesem Dokument kannst Du der Bank nachweisen, dass Du Dich unbefristet in Deutschland aufhalten darfst.
- Unbefristetes Arbeitsverhältnis: Durch einen unbefristeten Arbeitsvertrag kann die Bank sichergehen, dass Du Dir die Kreditraten in Zukunft leisten kannst. Hier solltest Du Gehaltsnachweise vorlegen.
- Vermögensnachweise: Um Dein Eigenkapital nachvollziehen zu können, benötigt die Bank einen Vermögensnachweis. Das kann ein Kontoauszug oder ein Depotauszug sein. Bei ausländischen Vermögensnachweisen ist es sinnvoll, eine beglaubigte Übersetzung anfertigen zu lassen.
- Wertstabile Immobilie: Da die Bank die zu kaufende Immobilie als Sicherheit für den Kredit nutzt, sollte die Art und Region der Immobilie über eine hohe Wertstabilität verfügen.
- Hohe Eigenkapitalquote: Die meisten Banken verlangen einen Eigenkapitalanteil von mindestens 20 %, das heißt, mindestens ein Fünftel der Gesamtkosten solltest Du aus eigenen Mitteln begleichen können. Je höher dein Eigenkapitalanteil, desto besser.
In 6 Schritten als Ausländer ein Haus in Deutschland kaufen
In Deutschland läuft der Kauf einer Immobilie fast immer gleich ab. Das deutsche Recht schreibt Hauskäufern bereits einen Teil des Kaufprozesses vor, so etwa die Beglaubigung des Kaufvertrags durch einen Notar.
Wir empfehlen Dir, wie folgt vorzugehen:
1. Kaufbudget ermitteln: Als Erstes solltest Du mithilfe einer Haushaltsrechnung errechnen, wie viel Budget Du für den Immobilienkauf zur Verfügung hast. Das kannst Du ganz einfach innerhalb von 2 Minuten mit unserem Budgetrechner erledigen.
Extra-Tipp: Prüfe auch Deinen Anspruch auf Fördermittel durch staatliche Institutionen wie die KfW oder regionale Förderbanken. Informiere Dich über Deine persönlichen Fördermöglichkeiten in einem unverbindlichen Beratungstermin mit unseren Finanzierungsexperten.
2. Immobilie suchen: Für die Suche Deiner Traumimmobilie stehen zahlreiche Plattformen im Internet zur Verfügung, auf denen Du Dich umschauen kannst. Hat das keinen Erfolg, kannst Du auch einen Immobilienmakler beauftragen. Wir empfehlen Dir unsere Immobiliensuche.
3. Besichtigungen durchführen: Bei der Besichtigung von Immobilien gibt es einiges zu beachten. Nimm am besten eine Begleitung mit, um keine Mängel zu übersehen. Wir haben für die Besichtigung auch eine Checkliste zusammengestellt.
4. Finanzierung sichern: Hast Du Deine Traumimmobilie gefunden, ist es Zeit, sich um die Finanzierung zu kümmern. Hierfür ist eine kompetente Beratung entscheidend, die Du am besten bei einem unabhängigen Baufinanzierungsberater wahrnimmst. Vereinbare einen kostenlosen Beratungstermin mit einem unserer Finanzierungsexperten und lass Dich durch den Prozess der Baufinanzierung begleiten. Dieser unterstützt Dich auch bei der Zusammenstellung aller nötigen Unterlagen für den Kreditantrag: Du benötigst Einkommens- und Vermögensnachweise sowie Informationen zu der Immobilie, die Du erwerben möchtest.
5. Kaufvertrag unterschreiben: Beim Notartermin unterschreiben Du und der Verkäufer den Kaufvertrag, der anschließend vom Notar beglaubigt wird. Dieser nimmt auch die anschließenden Eintragungen im Grundbuch vor, um Dich als neuen Eigentümer rechtmäßig abzusichern.
6. Immobilie übergeben: Im Anschluss wird mit dem Verkäufer ein Übergabetermin vereinbart. Hier erhältst Du die Schlüssel für die Immobilie und unterschreibst ein Übergabeprotokoll.
Auf dem Weg in Dein Eigenheim unterstützen wir Dich zuverlässig. Lade Dir jetzt unsere App herunter und behalte alle Schritte im Blick.
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Langfristig planen
Bevor Du Deine Immobilie vermietest, lohnt es sich, die langfristige Perspektive zu klären. Ob als Kapitalanlage oder mit Blick auf spätere Eigennutzung oder Verkauf: Ziel ist, Entscheidungen so zu treffen, dass sie flexibel, wirtschaftlich sinnvoll und rechtlich abgesichert sind.
Wichtige Aspekte dabei:
Finanzielle Planung - Mieteinnahmen realistisch kalkulieren, Rücklagen einplanen, Verwaltung überschaubar halten.
Rechtliche Sicherheit - Alle Vereinbarungen und Fristen transparent und korrekt regeln.
Vertragsgestaltung - Mietverträge so gestalten, dass sie Deinen Zielen entsprechen und Anpassungen bei Bedarf ermöglichen.
Marktorientierte Mietpreise - Faire, marktgerechte Mieten sichern Einnahmen und erleichtern spätere Entscheidungen.
Recht & Alltag zusammen denken
Damit die Vermietung gut läuft, müssen rechtliche Vorgaben und der Vermietungsalltag zusammenpassen. Das bedeutet: Mietvertrag, Nebenkosten-abrechnung und Instandhaltungsplan früh mit rechtlicher Unterstützung erstellen und klar dokumentieren.
Gleichzeitig lohnt es sich, die Abläufe im Alltag klar zu regeln: Wer kümmert sich um Anfragen, Reparaturen oder Wartungen? Klare Abläufe und transparente Kommunikation machen den Alltag planbar und sorgen dafür, dass alles reibungslos läuft.
Finanziell realistisch bleiben
Neben den Mieteinnahmen gehören Rücklagen für Instandhaltung, Leerstände und unerwartete Kosten zur Kalkulation. Nur mit einem klaren Zahlenbild lassen sich gute Entscheidungen treffen.
Eine gute Grundlage für Deine Entscheidung bilden überprüfbare Informationen der potenziellen Mietpartei wie:
- eine vollständig ausgefüllte Selbstauskunft
- ein Arbeitsvertrag und die drei letzten Einkommensnachweise
- eine aktuelle Schufa-Auskunft
Diese Unterlagen geben Dir Orientierung, ob die Miete langfristig machbar ist.
Beispiele für typische Aufgaben einer Hausverwaltung:
- Erstellung und Versand der Nebenkostenabrechnungen
- Organisation von Reparaturen, Wartung und Instandhaltung
- Verwaltung von Mietverträgen, Kautionen und Mieterakten
- Kommunikation mit Handwerker:innenBehörden, oder Dienstleistern
- Durchführung von regelmäßigen Wohnungsbegehungen und Kontrollen
- Unterstützung bei Mieterwechseln, z. B. Wohnungsübergaben und Abnahmen
Wann darf die Miete erhöht werden?
Bei Anpassung an die ortsübliche Vergleichsmiete
Die Miete darf höchstens so hoch sein, wie andere vergleichbare Wohnungen in der Umgebung (Mietspiegel), gesetzlich geregelt durch §558 BGB.
Nach Modernisierung
Führst Du Modernisierungen durch (z. B. neue Heizung, Fenster, Dämmung), darf ein Teil der Kosten auf die Miete umgelegt werden, §559 BGB.
Staffel- oder Indexmiete
Bei vertraglich vereinbarter Staffelmiete oder Indexmiete sind Erhöhungen im Mietvertrag festgelegt.
Fristen beachten
Mieterhöhungen müssen in der Regel mindestens drei Monate vorher angekündigt werden. Bei der Anpassung an die ortsübliche Vergleichsmiete darf die Miete innerhalb von drei Jahren höchstens um 20 % steigen (in einigen Regionen 15 % - örtliche Regelungen beachten).
Wann darf eine Abmahnung erfolgen?
Vertragsverletzungen
Wenn Mieter:innen wiederholt Pflichten aus dem Mietvertrag verletzen, z. B. zahlungsrückstände, Ruhestörungen, unerlaubte Untervermietung oder Schäden an der Wohnung.
Vor Kündigung
Bei schwerwiegenden oder wiederholten Verstößen ist eine Abmahnung häufig Voraussetzung, bevor eine fristgerechte Kündigung rechtlich wirksam werden kann.
Tipps:
Sachlich bleiben - Die Abmahnung soll informieren, nicht bestrafen.
Dokumentieren - Bewahre Kopien auf, um bei späteren Streitigkeiten abgesichert zu sein.
Zeitnah reagieren - Je schneller Du auf Verstöße reagierst, desto eher lassen sich Konflikte klären.
Wie muss eine Abmahnung zugestellt werden?
Schriftform empfohlen
Eine schriftliche Abmahnung ist rechtlich belastbarer und dokumentiert den Vorgang.
Zustellung
Am besten persönlich gegen Unterschrift oder per Einschreiben, damit Du nachweisen kannst, dass die Abmahnung zugestellt wurde.
Inhalt
- Konkrete Beschreibung des Verstoßes
- Bezug auf die entsprechende Vertrags- oder Rechtsgrundlage
- Aufforderung, das Verhalten künftig zu ändern
- Hinweis auf mögliche rechtliche Konsequenzen bei Wiederholung
Wann darf ich kündigen?
Ordentliche Kündigung durch den Vermieter
Die gesetzlichen Mindestkündigungsfristen richten sich nach der Mietdauer, §573c BGB:
- bis 5 Jahre Mietdauer → 3 Monate
- 5-8 Jahre → 6 Monate
- über 8 Jahre → 9 Monate
Welche Gründe sind zulässig?
Zulässige Kündigungsgründe, §573 BGB
- Eigenbedarf
- Dauerhafte Vertragsverletzungen (z. B. wiederholte Mietrückstände)
- Wirtschaftliche oder betriebliche Notwendigkeit
Wann ist eine fristlose Kündigung möglich?
Außerordentliche (fristlose) Kündigung, §543 BGB
Nur bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen, z. B. erhebliche Zahlungsverzüge oder starke Störungen.
Welche Form ist zu beachten?
Schriftform Pflicht
Die Kündigung muss immer schriftlich erfolgen. Mündliche Kündigungen sind unwirksam.
Zustellung
- Persönlich mit Unterschrift der Mieter:in oder
- Per Einschreiben mit Rückschein
Zugestellt gilt die Kündigung
Sobald sie in den Machtbereich des Empfängers gelangt, sodass er die Möglichkeit hat, sie zur Kenntnis zu nehmen (z. B. beim Einwurf in den Briefkasten oder persönliche Übergabe).
Was ist zu dokumentieren?
Alle Schritte, Termine und Zustellungen
Die sollten sorgfältig dokumentiert werden, um im Streitfall rechtlich abgesichert zu sein.
Was ist darüber hinaus zu beachten?
Kommunikation, Reagieren und Absprachen
Klare Kommunikation, zeitnahes Reagieren auf Probleme und transparente Absprachen helfen oft, Kündigungen zu vermeiden. Ein offenes Mietverhältnis kann viele Konflikte schon im Vorfeld lösen.
